Die Gesundheits- und Pflegewirtschaft ist im Branchenvergleich niedrig digitalisiert und das Digitalisierungstempo wird bis 2030 auch weiterhin als verhalten eingeschätzt. Dennoch herrscht verbreitet die Auffassung, dass der Einsatz digitaler und technischer Ausrüstung in der Pflege ein erhebliches Potential birgt. So ist laut GKV-Spitzenverband (GKV-SV) zu erwarten, “dass durch den Einsatz neuer Technologien Pflegekräfte in ihrem Arbeitsalltag spürbar entlastet werden und mehr Zeit für die Pflegebedürftigen haben.“ (GKV-SV 2019).
Während Pflegeeinrichtungen in den Bereichen Verwaltung und Logistik bereits in hohem Maße digitalisiert sind, werden rein pflegerische Prozesse noch deutlich seltener technisch unterstützt. Auch die digitale Vernetzung mit anderen Leistungserbringern birgt noch große Entwicklungspotentiale.

Einsatz digitaler und technischer Arbeitshilfen in Pflegeeinrichtungen (n = 951 Einrichtungen, ambulant, teil- und vollstationär), Angaben in %

Quelle: Braeseke et al. (2020): Umfrage zum Technikeinsatz in Pflegeeinrichtungen (UTiP)
Ein neuer Leistungsbereich, insb. in der ambulanten Pflege, sind die digitalen Pflegeanwendungen (DiPA) gemäß § 40a SGB XI:
Im Rahmen des „Digitale-Versorgung-und-Pflege-Modernisierungs-Gesetzes“ (DVPMG, Juni 2021) wurde ein Anspruch der Versicherten auf digitale Pflegeanwendungen (DiPA) in den Leistungskatalog der Sozialen Pflegeversicherung aufgenommen. Nach § 40a Abs. 2 SGB XI umfasst der Anspruch auf digitale Pflegeanwendungen nur solche Versorgungsangebote, welche vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in das Verzeichnis für digitale Pflegeanwendungen nach § 78 Abs. 3 SGB XI aufgenommen wurden.
Damit die Versicherten mit den DiPA auch zurechtkommen, sollen ambulante Pflege- und Betreuungsdienste ihre Klientinnen und Klienten auch bei der Nutzung digitaler Pflegeanwendungen unterstützen (§ 39a SGB XI Ergänzende Unterstützung bei Nutzung von digitalen Pflegeanwendungen):
„Pflegebedürftige haben bei der Nutzung digitaler Pflegeanwendungen im Sinne des § 40a Anspruch auf ergänzende Unterstützungsleistungen, deren Erforderlichkeit das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte nach § 78a Absatz 5 Satz 6 festgestellt hat, durch nach diesem Buch zugelassene ambulante Pflegeeinrichtungen.“
Im Rahmen des Aufnahmeverfahrens in das Verzeichnis für digitale Pflegeanwendungen legt das BfArM die Einzelheiten zum Anspruch auf die ergänzende Unterstützung im Sinne des § 39a SGB XI fest. Für DiPA und ggf. ergänzende Unterstützungsleistungen durch ambulante Pflegedienste stehen den Versicherten bis zu 50 € im Monat zur Verfügung.

Förderhilfen für Pflegeeinrichtungen

Um diese Entwicklung weiter aktiv voranzutreiben, wurde im Rahmen des Pflegepersonal-Stärkungsgesetzes (PpSG) eine Regelung zur Förderung der Anschaffung digitaler und technischer Ausrüstung in Pflegeeinrichtungen zur Entlastung der Pflegekräfte (§ 8 Abs. 8 SGB XI) beschlossen, die im Januar 2019 in Kraft trat.
Gefördert werden mit einem einmaligen Zuschuss digitale oder technische Ausrüstungen sowie damit einhergegende Kosten.
Förderung insbesondere
in folgenden Anwendungs-feldern:
der Entbürokratisierung der Pflegedokumentation,
der Dienst- und Tourenplanung,
dem internen Qualitätsmanagement,
der Erhebung von Qualitätsindikatoren,
der Zusammenarbeit zwischen Ärztinnen bzw. Ärzten und stationären Pflegeeinrichtungen (einschließlich Videosprechstunden),
der elektronischen Abrechnung pflegerischer Leistungen nach § 105 SGB XI sowie
der Aus-, Fort-, Weiterbildung oder Schulung, die insbesondere im Zusammenhang mit der Anschaffung von digitaler oder technischer Ausrüstung stehen.
Hauptzweck der Anschaffung muss die Entlastung der Pflegekräfte in den Einrichtungen sein. Vorgesehen ist ein einmaliger Zuschuss je Pflegeeinrichtung von bis zu 40 % der Kosten. Die Maximalsumme ist allerdings auf 12.000 Euro und bis zum 31. Dezember 2023 begrenzt. Der einmalige Zuschuss kann auch gesplittet und für mehrere Anschaffungen von digitaler oder technischer Ausrüstung wie auch für Aus-, Fort-, Weiterbildung oder Schulung in der Anwendung digitaler oder technischer Ausrüstung genutzt werden. Anspruch haben zugelassene ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen nach § 72 SGB XI.

Dokumente zur Förderung der Digitalisierung in Pflegeeinrichtungen

Orientierungshilfe des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) sowie der Verbände der Leistungsträger und Leistungserbringer auf Bundesebene zur Umsetzung der Möglichkeiten zur Förderung der Digitalisierung in stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen gemäß § 8 Absatz 8 Elftes Buch Sozialgesetzbuch (SGB XI)
Richtlinien des GKV-Spitzenverbandes nach § 8 Absatz 8 SGB XI zur Förderung der Digitalisierung in stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen vom 08.04.2019, geändert durch Beschluss vom 14.07.2021
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